Und plötzlich waren sie tot…

Und plötzlich waren sie tot…

Als ich damals das aktuelle Thema des Monats festgelegt hatte, hatte ich nicht damit gerechnet, dass es mich selber eiskalt erwischen würde.
Tat es aber. Mehrfach.
Deshalb hat es so lange gedauert, bis Du wieder etwas von mir zu lesen bekommst.
Und deshalb wird dies heute zum Teil auch ein sehr persönlicher Blogbeitrag.

Angefangen hat es Anfang Oktober mit einer WhatsApp-Nachricht meiner Schwester:
Polly ist tot!“.
Polly war der Hund meiner Schwester und ich hatte eine sehr enge Beziehung zu dem Tier.
Die Nachricht kam völlig überraschend. Polly war nicht krank gewesen, sie war nicht alt, es gab nichts, was an ihren Tod hätte denken lassen.
Und trotzdem ist sie auf einmal gestorben. Sie ist innerlich verblutet. Ein bis dahin unentdeckter Tumor war die Ursache. Ihr konnte nicht mehr geholfen werden.

Dann erhielt ich Ende Oktober traurige Post: Johannes, ein lieber, und lange Zeit für mich sehr wichtiger, Mensch war gestorben. Er hatte sich von einem Schlaganfall nicht mehr erholen können. Ich war fassungslos.

Dazu jährte sich am 11.11. der Todestag eines sehr guten Freundes – Franky.

Also keine leichte Zeit für mich. Intensive Trauerarbeit war angesagt.

Wie können wir umgehen mit dem Tod?

Mit dem Verlust geliebter Menschen und Tiere? In unserer Gesellschaft wird der Tod meist „ausgeklammert“, so gut es geht verdrängt oder aus dem Blickfeld verbannt. Dabei gehört er doch dazu zum Leben.

Ich weiß nicht, wie es Dir geht. Aber für mich ist es immer ganz wichtig zu verstehen, was warum in mir vorgeht. Und es hilft mir, wenn ich weiß, dass ich mit diesem Erleben nicht alleine bin. Deshalb mag ich Modelle so gerne. Sie geben mir Erklärungen. Und Hoffnung. Denn wenn es für etwas ein Modell gibt, dann bin ich wohl nicht die Einzige, für die das behandelte Thema eine Rolle spielt.

Auch für das Trauern und das Sterben gibt es solche Modelle. Eins davon (das 4-Phasen-Modell der Trauer von Verena Kast) möchte ich Dir nachfolgend kurz vorstellen. Vielleicht findest Du Dich ja in den Beschreibungen wieder.

Jemand, der trauert, durchläuft zumeist mehrere Phasen. Wie lange sich der Trauernde in den einzelnen Phasen aufhält, ist von Mensch zu Mensch verschieden.

Phase 1: Leugnen, Nicht-wahr-haben-wollen

Wenn man die Nachricht vom Tod eines geliebten Menschen (oder auch Tieres) erhält, ist man oft erst einmal total geschockt und wie erstarrt. Man will nicht glauben, dass das wahr ist. Hält es für eine Fehlinformation, einen Irrtum.

Die Phase ist meistens sehr kurz. Sie dauert ein paar Stunden, höchstens ein paar Tage.

Vielen Menschen hilft es, den Verstorbenen mit eigenen Augen zu sehen, um aus dieser Phase herauszukommen. Wenn dies nicht möglich ist (z.B. weil der Tote nach einem Unfall so schwer verletzt ist, dass er fast unkenntlich ist), kann sich die erste Phase allerdings auch über einen langen Zeitraum erstrecken.

Mir ist es zum Beispiel so gegangen, als eine unserer Katzen überfahren wurde. Nachbarskinder hatten die tote Katze auf der Straße liegen sehen und anhand eines Fotos als unsere identifiziert. Das Tier selber war aber schon durch Gemeindearbeiter „entsorgt“ worden, so dass ich mich nicht mit eigenen Augen davon überzeugen konnte, dass es sich wirklich um unsere Luna gehandelt hatte.
Ich habe lange gebraucht, endlich zu glauben, dass sie es wirklich gewesen ist.
Immer wieder flackerte die Hoffnung auf, dass die Kinder sich geirrt hätten. Dass es einfach nur eine ähnlich aussehende Katze war…

Um wieviel schlimmer muss das dann sein, wenn es sich um einen Menschen handelt, den man verloren hat.

Phase 2: Intensive aufbrechende Emotionen

Sobald man sich bewusst wird, dass es sich wirklich um eine Tatsache handelt, dass der Tod Realität ist, brechen meist heftige Emotionen hervor. Neben Trauer und Verlustschmerz zeigen sich oft auch Wut, Angst und Einsamkeit.

Vielleicht machen sich aber auch Erleichterung und Freude breit, z.B. wenn der Tod nach einer langen Leidenszeit eingetreten ist. Schnell melden sich dann jedoch häufig Schuldgefühle oder ein schlechtes Gewissen. Man darf sich doch nicht freuen, wenn jemand gestorben ist…

Oder der Gedanke „Ich habe nicht alles mir Mögliche für ihn getan, habe ihn nicht genug geliebt, nicht ausreichend wertgeschätzt…“ taucht auf, evtl. fühlt man sich sogar schuldig am Tod des anderen.

Schuldgefühle können sehr belastend sein und den Trauernden lange in der zweiten Phase festhalten. Im schlimmsten Fall entwickelt er eine Depression oder sogar Suizidgedanken.

Treten Wut und Zorn auf, können diese sich in verschiedenen Formen zeigen. Sie können sich gegen Dritte richten (z.B. Ärzte, Pfleger, Unfallverursacher oder bei gläubigen Menschen gegen Gott), gegen einen selber („Ich hätte besser aufpassen müssen…“) oder auch gegen den Toten. Dies geschieht vor allem, wenn es sich um einen Suizid handelte („Wie konntest Du mich nur alleine lassen?“).

All diese Gefühle dürfen sein und es ist wichtig, sie zu durchleben, um die Phase der Emotionen abschließen zu können. Wut und Zorn sind z.B. gute Helfer, um nicht zu tief in eine Depression zu versinken. Sie werden also in diesem Fall eher als heilsam angesehen.

Bei mir haben sich damals Trauer, Wut und Schuldgefühle abgewechselt. Manchmal im Sekundentakt.

Phase 3: Suchen, Finden, Loslassen

In der dritten Phase wird noch einmal intensiv die Verbindung zum Verstorbenen gesucht.

Man geht eventuell an Orte, an denen man früher gemeinsam gewesen ist und die eine Bedeutung hatten. Gegenstände, Fotos, Kleidungsstücke, Lieblingsessen etc. dienen der liebevollen Erinnerung und dem Nachspüren der Gefühle für den Toten.

Ungelöste Themen oder Probleme, die man mit dem Toten hatte, werden in inneren Dialogen bearbeitet und im Idealfall abgeschlossen, so dass sie den weiteren Trauerprozess nicht behindern.

Hierbei können auch wieder heftige Gefühle auftreten, die aber bei der Bewältigung helfen.

Man findet zu einer Aussöhnung mit dem Verstorbenen und dessen Tod. Jetzt nimmt man bewusst wahr, dass er nicht mehr Teil der eigenen Lebenswirklichkeit ist. Das Loslassen beginnt.

Loslassen bedeutet in diesem Zusammenhang übrigens nicht, den Toten zu vergessen. Sondern es geht darum, ihn als Teil der Vergangenheit zu sehen. Schön ist es, wenn er zu einer Art innerem Begleiter werden kann.

Schwierig wird es, wenn Menschen sich zu sehr in ihren Erinnerungen einigeln und in einer Traumwelt ihr Leben mit dem Verstorbenen weiterführen. Wenn z.B. weiterhin der Tisch für ihn gedeckt wird, sein Zimmer unverändert bleibt, mit ihm gesprochen wird, als sei er noch da, usw.

Dauert dieses Verhalten sehr lange an, entfernt sich der Trauernde immer mehr von der Realität. Er lebt sein Leben nicht wirklich und bleibt in dieser Trauerphase stecken.

Phase 4: Akzeptanz und Neuanfang

In der vierten und letzten Phase hat der Trauernde den Verlust endgültig akzeptiert. Er weiß, dass der Mensch (oder das Tier) nun nicht mehr Teil des realen Lebens, sondern ein innerer Begleiter geworden ist.

Jetzt kann der Fokus wieder auf das eigene Leben und dessen Gestaltung gelegt werden. Vielleicht ergeben sich nun Möglichkeiten, die mit dem Verstorbenen nicht denkbar gewesen wären. So kann man lernen, dass selbst in einem schweren Verlust auch eine positive Seite stecken kann.

Und, was aus meiner Sicht ganz wichtig ist:
Der Trauernde hat die Erfahrung gemacht, dass er mit einem Verlust fertig werden kann.

Er weiß jetzt, dass Tod und Trauer zum Leben gehören. Und er weiß, dass er sich auf neue Beziehungen einlassen kann, selbst wenn sie erneut durch den Tod beendet werden sollten. Denn er kennt jetzt seine Fähigkeit, erfolgreich mit diesem umzugehen.

Ich habe damals eine neue Katze in mein Leben geholt. Kuhlumbus half mir bei der Trauerarbeit und brachte wieder Freude in meinen Alltag. Er ist kein „Ersatz“ für Luna, er ist ein weiteres Familienmitglied. Und Luna wird immer ihren Platz in meinem Herzen behalten.

Genauso wie Polly, Johannes und Franky.

Warum habe ich das jetzt alles geschrieben?

  • Weil ich mir wünsche, dass der Tod bei uns nicht länger „totgeschwiegen“ wird.
  • Weil ich möchte, dass Menschen über Ihre Trauer sprechen können und sich Zeit nehmen dürfen für den Abschied. Und zwar so viel Zeit, wie sie individuell brauchen.
  • Weil ich die Hoffnung habe, dass nicht die Erwartungshaltung da ist, so schnell wie möglich wieder „zu funktionieren“.
  • Weil ich es wichtig finde, dass klar wird, dass das Gefühlskarussel normal ist.
  • Weil ich …

Vielleicht konnte ich Dir mit diesem Text ja ein bisschen Mut machen.

Ich wünsche Dir jedenfalls viele liebevolle Erinnerungen, wenn Du schon mit dem Tod Dir wichtiger Menschen oder Tiere konfrontiert warst.

Und ein offenes Herz für viele schöne neue Begegnungen.

Falls Du gerade mitten in einer schwierigen Phase steckst und Dir Unterstützung wünschst: Ich begleite Dich gerne!

Herzlichst,

Deine Barbara

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