Inneres und äußeres „Ausmisten“ – Eine Buchbesprechung

Inneres und äußeres „Ausmisten“ – Eine Buchbesprechung

Seit Beginn des Jahres beschäftige ich mich wieder intensiv mit dem Loslassen von Dingen. Denn wie bei so vielen anderen, haben sich auch bei mir im Laufe der Zeit einfach zu viele Gegenstände angesammelt.

Die Zimmer in unserem Haus füllen sich wie von Zauberhand, und ich habe immer mehr das Gefühl, zu ersticken in all den Sachen, keine Luft zum Atmen mehr zu haben.

Um mir selber ein paar neue Anregungen fürs Ausmisten zu holen, habe ich das Buch „Magic Cleaning“ von Marie Kondo gelesen (27. Auflage November 2016, rororo, ISBN 978-3-499-62481-0).

Das Buch bietet eine Fülle an tollen Anregungen und Tipps. Ich habe die aus meiner Sicht wichtigsten Punkte aus dem ersten Teil des Buches, in dem es um die Komplettentrümpelung geht, in diesem Blogartikel zusammengefasst. (In den weiteren Teilen des Buches beschreibt sie detaillierte Strategien fürs Aufräumen und Ordnung halten. Diese ebenfalls zu schildern, ist mir im Moment ehrlich gesagt zu viel. Eventuell werden das weitere Blogbeiträge.)

Gleich als erstes: Marie Kondo ist keine Verfechterin des Prinzips „Jeden Tag ein Stück weniger“.
Sie nennt in ihrem Buch zwei Geheimtipps:

  1. In einem Rutsch, in kurzer Zeit und perfekt.
  2. Immer zuerst entrümpeln.

Durch das perfekte Aufräumen erhält man ihrer Ansicht nach ein ganz anderes Bild von seinem Zimmer/seiner Wohnung/seinem Haus. Das Ganze in kurzer Zeit (max. ein halbes Jahr) durchzuziehen, führe zu einem „heilsam-positiven Schock der Ordnung“. Nur durch das radikale Aufräumen in einem Rutsch werde ein drastischer Bewusstseinswandel ausgelöst. Man möchte das dann nie wieder anders haben, schreibt sie.

Doch bevor man sich ans Entrümpeln macht, sei es wichtig, sich Gedanken über seine Beweggründe fürs das Aufräumen zu machen. Was ist das Motiv? Was soll erreicht werden? Welche Vision steht dahinter? Wie soll das Wohnen zukünftig aussehen?

Diese Vision soll man sich so lebhaft wie möglich ausmalen. Um sie anschließend noch genauer zu hinterfragen:

Warum will ich so leben? -> Weil…
Warum ist mir das so wichtig? -> Weil…
Mindestens 5x soll man auf dieser Art weiter in die Tiefe fragen.

Dadurch könne man herausfinden, wo die eigenen Prioritäten liegen und was einen tatsächlich glücklich macht. Dies bilde dann eine sichere mentale Basis für das Aufräumen.

Generell unterscheidet Marie Kondo zwei Arten des Aufräumens:

  1. Das alltägliche Aufräumen, sprich: Dinge wieder dorthin zurückzulegen, wo sie hingehören.
  2. Aufräumen als Fest, was man nur einmal im Leben täte. Dann würde sich automatisch a) anschließen.

Für das Aufräumfest gelten zwei eiserne Regeln:

  1. Wegwerfen, was man nicht mehr benötigt.
  2. Einen Aufbewahrungsort für die übrigen Sachen festlegen.
    Mit Punkt 2 darf laut Kondo erst begonnen werden, wenn Punkt 1 komplett abgeschlossen ist.

Und nach welchen Kriterien entscheidet sich nun, was weggeworfen und was aufgehoben wird? Nach Marie Kondo gibt es hierfür nur eine einzige Frage: „Macht es mich glücklich, wenn ich den Gegenstand in die Hand nehme?“

Wenn ja -> aufheben, wenn nein -> weg damit.

Ganz wichtig ist bei ihrer Vorgehensweise deshalb, wirklich jeden Gegenstand einzeln in die Hand zu nehmen und sich oben genannte Frage zu stellen. Dabei solle man auf die Reaktionen des Körpers und der Seele achten.

Denn Ziel der ganzen Aktion sollte ja ein glückliches Leben sein. Und das erreiche man nur mit Dingen, die einen glücklich machen.

Entgegen oft gehörter, anders lautender Empfehlungen schreibt sie, man solle Dinge aufräumen (in Kategorien zusammengefasst), nicht Zimmer. (Hintergrund: Oft seien viele gleichartige Dinge über mehrere Räume verteilt und man habe keinen Überblick darüber, was man eigentlich wirklich alles besitzt.)

Man solle erst alle Dinge einer Kategorie ohne Ausnahme einsammeln und auf einen Haufen legen. Und diesen dann nach dem Kriterium des Glücksgefühls zügig und in einem Rutsch (aus-)sortieren.

Dabei kommt nun der Wert der Dinge ins Spiel. Gegenstände haben laut Kondo neben ihrem rein physischen Wert zumeist auch noch einen Funktionswert, einen Informationswert, einen Emotionswert und vielleicht einen Seltenheitswert. Je „wertvoller“, desto schwerer falle das Ausmisten.

Beim Aussortieren solle man deshalb mit den Dingen beginnen, bei denen die Entscheidung pro oder kontra Wegwerfen leichter fällt. Ihrer Erfahrung nach hat sich folgende Reihenfolge dabei bewährt:

  1. Kleidung
  2. Bücher
  3. Schriftstücke
  4. Kleinkram
  5. Erinnerungsstücke

Bei jedem Gegenstand, bei dem einem die Trennung extrem schwer fällt, man aber kein Glücksgefühl empfindet, solle man sich fragen: „Warum besitze ich ihn? Welchen Sinn hat es, ihn in meiner Wohnung zu haben?“ So könne man herausfinden, welche Rolle dieser Gegenstand wirklich spielt.

Wer jetzt sagt, dass er Angst hat, versehentlich etwas zu entsorgen, dass er dann doch nochmal braucht, für den hat Marie Kondo die – ich nenne sie jetzt einfach mal so – „1.000-Dinge-Regel“.
Von 1.000 Dingen, die man entsorgt, werde man später 3 vermissen.

Aber lohnt es sich, deshalb weiter im Chaos zu leben? Wohl eher nein.

Man werde dadurch automatisch besser im Improvisieren („Wie erreiche ich das, was ich tun wollte, auch ohne den Gegenstand zu besitzen?“ -> z.B. Ausleihen) Ggf. könne man den Gegenstand dann immer noch erneut kaufen.

Das wahre Leben beginne jedenfalls nach dem Aufräumen, schreibt Kondo! Denn durch die neu erlangte Ordnung sei das tägliche Aufräumen ein Kinderspiel. Somit habe man dann genug freie Zeit und Energie für die Themen, die einem wirklich wichtig seien.

In diesem Sinne wünsche ich uns allen ein befreites und glückliches Leben!

Herzlichst,

Deine Barbara

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