„Das Geburtstags-Drama“ oder „Glückwünsche nur noch virtuell?“

„Das Geburtstags-Drama“ oder „Glückwünsche nur noch virtuell?“

Geburtstag! Morgens um 9 klingelt zum ersten Mal das Telefon. Meine Eltern wollen die ersten Gratulanten sein. Danach steht das Telefon den ganzen Tag nicht mehr still. Ein Geburtstagsanruf nach dem anderen erreicht mich. Schön, so gefragt zu sein!

Aber auch ganz schön anstrengend. Ich habe inzwischen Gäste, um die ich mich gerne kümmern möchte. Klingeling – der nächste Anruf. Immer kürzer fallen die Gespräche aus, immer mehr sehne ich mich danach, dass das Telefon still bleibt. Vergebens. Bis spät abends hänge ich am Telefon.

Szenenwechsel. Wir verlassen die Vergangenheit und kehren in die Gegenwart zurück.

Geburtstag! Sobald ich in der Früh das Handy einschalte, kommt es aus dem Piepsen nicht mehr heraus. Geburtstagsgrüße über WhatsApp, per SMS, auf Facebook, Xing und Co. Nur klingeln tut das Telefon nicht mehr.

Oh doch, Moment, 9 Uhr, meine Eltern rufen an! Sie sind fast die Einzigen, die noch zum Hörer greifen und persönlich gratulieren. Die meisten meiner Freunde nutzen inzwischen andere Medien, um ihre Glückwünsche zu überbringen.

Bin ich deshalb weniger wichtig? Speisen sie mich einfach mit einem kurzen Text ab? Wollen sie vielleicht gar nicht wirklich mit mir in Kontakt treten? Sind das nur Alibi-Grüße, die ich da erhalte?

Sicher sind gerade auf Facebook & Co. Grüße von Menschen dabei, die ich nicht persönlich kenne. Die „nur“ zu meinem virtuellen Netzwerk gehören. Und ja, ich kenne natürlich auch die automatische Geburtstagserinnerungsfunktion der Plattformen. Trotzdem freue ich mich über jede dieser Nachrichten!

Und bei meinen „echten“ Freunden? Bin ich da enttäuscht? Hänge ich da in den oben genannten negativen Gedanken fest, mache mich selbst klein und trauere der Vergangenheit nach? War früher doch alles besser?

Ich habe gelernt, diese – mich nur belastenden – Gedanken loszulassen, und statt dessen die positiven Seiten der modernen Kommunikation zu genießen. Heute erreichen mich Glückwünsche, ohne mich bei dem zu stören, was ich gerade tue. Ich lese die Nachrichten einfach dann in Ruhe, wenn ich Zeit und Lust dazu habe. Und ich werde nicht wie durch einen Anruf aus einem laufenden Gespräch o.ä. herausgerissen.

Natürlich hätte ich früher auch einfach nur nicht abzuheben gebraucht. Aber ich wollte doch nichts und niemand verpassen…

Und heute? Heute vermisse ich es schon manchmal, die Stimme des anderen zu hören und wirklich mit ihm zu sprechen. Und was mache ich dann? Ich rufe denjenigen einfach in den folgenden Tagen selber an. Bedanke mich für die Glückwünsche und führe in aller Ruhe ein tolles, entspanntes, ausgiebiges Telefonat!

Und wie geht es Dir? Hältst Du an Vergangenem fest? Belastest Du Dich selber mit negativen Gedanken? Oder kannst Du loslassen und den Veränderungen in Deinem Leben eine Chance geben?

Ich wünsche Dir jedenfalls viele schöne Geburtstage mit wie auch immer gearteten positiven Kontakten!

Herzlichst,
Deine Barbara

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